EU plant 5G-Kommunikationsnetz für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste
EU plant 5G-Kommunikationsnetz für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste

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EU plant 5G-Kommunikationsnetz für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste

Die Europäische Union will die Kommunikation von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und Katastrophenschutz auf eine neue technische Grundlage stellen. Mit dem geplanten EU Critical Communication System (EUCCS) soll ein europaweit vernetztes Kommunikationssystem entstehen, das unter anderem moderne Mobilfunktechnologien wie 5G nutzt.

Die EU-Kommission hat den entsprechenden Vorschlag Ende September vorgestellt. Ziel ist es, Einsatzkräfte in den verschiedenen europäischen Ländern künftig besser miteinander zu vernetzen und gleichzeitig deutlich mehr Möglichkeiten als bei den bisherigen klassischen Funksystemen zu schaffen.

5G soll klassische Einsatzkommunikation erweitern

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste arbeiten bislang vielfach mit speziellen Funksystemen, die vor allem für Sprachkommunikation ausgelegt sind.

Mit dem neuen europäischen System soll sich das ändern.

Über moderne Breitbandverbindungen könnten Einsatzkräfte künftig beispielsweise nicht nur miteinander sprechen, sondern auch Videos, Bilder, Standortdaten und weitere Einsatzinformationen in Echtzeit übertragen.

Gerade bei größeren Schadenslagen könnte das einen entscheidenden Vorteil bieten. Einsatzleitungen könnten beispielsweise Live-Bilder von einem Einsatzort erhalten oder Standortinformationen verschiedener Einsatzkräfte direkt miteinander abgleichen.

Kommunikation soll auch über Landesgrenzen funktionieren

Ein zentraler Punkt des Projekts ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Bislang verfügen die europäischen Staaten über unterschiedliche nationale Kommunikationssysteme für ihre Sicherheits- und Rettungsdienste. Diese sind nicht in jedem Fall vollständig miteinander kompatibel.

Das geplante EU Critical Communication System soll deshalb die bestehenden nationalen Systeme miteinander verbinden.

Vorgesehen ist eine gemeinsame Infrastruktur für die 27 EU-Mitgliedstaaten sowie die Schengen-assoziierten Länder.

Das könnte insbesondere bei Naturkatastrophen, großen Waldbränden, Überschwemmungen oder internationalen Polizeieinsätzen eine wichtige Rolle spielen.

Satelliten als Backup bei Netzausfällen

Die EU setzt bei dem Konzept nicht ausschließlich auf klassische Mobilfunknetze.

Zusätzlich soll Satellitenkommunikation eingebunden werden. Sie könnte beispielsweise dann zum Einsatz kommen, wenn Mobilfunkmasten durch Unwetter, Stromausfälle oder andere Katastrophen beschädigt beziehungsweise komplett ausgefallen sind.

Dabei wird unter anderem geprüft, ob das europäische Satellitensystem IRIS² in die Infrastruktur eingebunden werden kann.

So könnte die Kommunikation von Einsatzkräften auch dann aufrechterhalten werden, wenn die normale terrestrische Infrastruktur nicht mehr verfügbar ist.

Mobile Mobilfunkmasten für Katastrophengebiete

Ein weiterer Bestandteil des Konzepts sind mobile Kommunikationssysteme.

Die EU sieht unter anderem die Möglichkeit vor, bei größeren Schadenslagen kurzfristig zusätzliche Mobilfunktechnik in betroffene Regionen zu bringen.

Denkbar sind beispielsweise mobile Funkmasten auf Fahrzeugen mit eigener Stromversorgung.

Solche Lösungen werden bereits heute teilweise eingesetzt, könnten mit dem neuen europäischen System aber stärker vereinheitlicht und besser miteinander vernetzt werden.

5G spielt eine wichtige Rolle

Für die Mobilfunkbranche ist das Projekt besonders interessant, weil 5G zu einer wichtigen technischen Grundlage der zukünftigen Einsatzkommunikation werden soll.

5G bietet nicht nur höhere Datenraten. Die Technologie ermöglicht auch geringe Latenzen und kann große Mengen an Geräten gleichzeitig mit dem Netzwerk verbinden.

Damit eignet sie sich unter anderem für die Übertragung von Videos, Sensordaten oder umfangreichen Einsatzinformationen.

Grundlage sollen dabei auch sogenannte 3GPP Mission Critical Services sein. Dabei handelt es sich um Mobilfunkstandards, die speziell für besonders zuverlässige Kommunikationsdienste entwickelt wurden.

Hohe Anforderungen an Sicherheit und Ausfallschutz

Bei einem Kommunikationsnetz für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste spielt Sicherheit selbstverständlich eine besonders große Rolle.

Das System soll deshalb umfassend gegen Cyberangriffe und andere Bedrohungen geschützt werden.

Vorgesehen sind unter anderem spezielle europäische Überwachungs- und Sicherheitszentren, die das Netzwerk kontrollieren und mögliche Angriffe beziehungsweise technische Störungen frühzeitig erkennen sollen.

Auch die eingesetzte Technik soll besonders kritisch geprüft werden.

Kritische Technik möglichst aus Europa

Die EU-Kommission will bei wichtigen Bestandteilen des Systems stärker auf europäische Anbieter setzen.

Das betrifft unter anderem Komponenten des Mobilfunk-Kernnetzes, Satellitentechnik sowie weitere zentrale Bereiche der Kommunikationsinfrastruktur.

Damit verfolgt die EU gleichzeitig das Ziel, die Abhängigkeit von außereuropäischen Technologieunternehmen in besonders sensiblen Bereichen zu reduzieren.

Einführung soll ab 2030 beginnen

Bis zum tatsächlichen Start des Systems wird allerdings noch einige Zeit vergehen.

Die EU-Kommission hat zunächst einen Gesetzgebungsvorschlag vorgelegt. Dieser muss noch vom Europäischen Parlament und vom Rat beraten werden.

Nach dem derzeitigen Zeitplan soll das EU Critical Communication System ab 2030 schrittweise eingeführt werden.

Anschließend sollen die einzelnen Staaten ihre bestehenden Kommunikationslösungen nach und nach mit dem europäischen System verbinden.

Kein zusätzliches Mobilfunknetz für normale Smartphone-Nutzer

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zu normalen Mobilfunknetzen.

Bei dem EUCCS handelt es sich nicht um einen neuen öffentlichen Mobilfunkanbieter neben Telekom, Vodafone, O2 oder 1&1.

Das System ist ausschließlich für Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Katastrophenschutz und weitere Einsatzorganisationen vorgesehen.

Trotzdem zeigt das Projekt, wie vielseitig moderne 5G-Netze inzwischen eingesetzt werden können. Neben klassischen Smartphone-Tarifen und mobilem Internet gewinnt 5G zunehmend auch bei Industrie, Behörden und kritischer Infrastruktur an Bedeutung.

Sollte das Projekt wie geplant umgesetzt werden, könnte ab dem kommenden Jahrzehnt eines der größten europaweiten Kommunikationssysteme für Einsatzkräfte entstehen.

Quelle: Europäische Kommission

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